Klinik Hoher Meißner Bad Sooden-Allendorf - Fachklinik und Reha-Klinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung.
Druckversion vom 12.03.2009
URL: http://www.reha-klinik.de/hereditaere-spastische-spinalparalyse.html
Die spastische Spinalparalyse ist keine einzelne Erkrankung, sondern stellt eine Gruppe von genetisch und klinisch unterschiedlichen Erkrankungen dar. Diese sind charakterisiert durch eine spastische Tonuserhöhung der Muskulatur der Beine. Klassifiziert wird die spastische Spinalparalyse nach der Vererbungsart und den Symptomen. In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Genen aufgedeckt, die mit der Krankheit verbunden sind. Unterschieden wird die spastische Spinalparalyse in zwei Hauptgruppen. Als unkompliziert bezeichnet werden Formen, die außer der spastischen Tonuserhöhung in der Beinmuskulatur allenfalls leichte Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen) in den Unterschenkeln und Füßen sowie leichte Blasenentleerungsstörungen aufweisen. Als kompliziert werden seltenere Formen der spastischen Spinalparalyse bezeichnet, die eine Störung der peripheren Nerven, eine Epilepsie, eine Demenz, eine Ataxie (Störungen der Zielbewegungen) oder Erkrankungen der Augen mit umfassen. Auch das Sprechen kann erschwert sein, die Störung wird als Dysarthrie bezeichnet.
Wenn die spastische Spinalparalyse auch noch nicht hinsichtlich der Krankheitsursache zu behandeln ist, so sind die Symptome doch einer Behandlung zugängig. Im Wesentlichen kommen Krankengymnastik und Medikamente zum Einsatz. Es gibt einen breiten Konsens, dass die Basistherapie der Spastik auf der Krankengymnastik beruht. Ziele der Physiotherapie sind die Verbesserung der motorischen Funktionen, insbesondere der Gehfähigkeit, und die Vermeidung von Muskel-, Sehnen- und Gelenkkontrakturen. Um das Rehabilitationsziel einer Erleichterung des Gehens oder Stehens zu erreichen, fordern moderne Konzepte auch in dieser Hinsicht ein aufgabenspezifisches repetitives Üben. Konkret heißt das, wer das Gehen lernen oder verbessern will, muss das Gehen selbst möglichst intensiv üben. Um diesem Konzept gerecht zu werden, wird von uns das Laufband, bei schwerer betroffenen Patienten auch der von der Arbeitsgruppe von Hesse und Mitarbeitern, Berlin, entwickelte Gangtrainer mit teilweiser Entlastung des Körpergewichts eingesetzt. Der in einem Gurt gesicherte Patient steht auf zwei Fußplatten, deren Bewegung das natürliche Gehen simuliert. Ein drehzahlgeregelter Motor unterstützt die Bewegung des Patienten.
Fußheber-Orthesen (Schienen), Handstock, Gehstützen oder Rollator können zur Sicherung des Gehens in der Behandlung eingesetzt, getestet und verordnet werden.
Der Lockerung der spastischen Muskelversteifung können auch einige Facetten der physikalischen Therapie dienen. Zum Einsatz kommen Vierzellen- oder Stangerbäder, Vibrationsmassagen oder das motorgetriebene Standfahrrad (z.B. Motomed® oder TheraVital®).
Die Ergotherapie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den sensomotorischen Störungen der Arme. Training der Feinmotorik und ggfs. bei schwerer betroffenen Patienten das sogenannte Selbsthilfetraining werden bei Patienten mit spastischer Spinalparalyse kann bei Bedarf eingesetzt werden. Die Austestung und Beschaffung von Hilfsmitteln zur Alltagsbewältigung wird ebenfalls schwerpunktmäßig im Rahmen der Ergotherapie durchgeführt.
Da bei einzelnen Patienten die Schärfe des Sprechens beeinträchtigt sein kann, wird bei diesen auch Logopädie durchgeführt.
Reichen Krankengymnastik und physikalische Therapie nicht aus, um der Spastik zu begegnen, müssen Medikamente zusätzlich eingesetzt werden. Baclofen und Tizanidin stellen hier in der Regel die erste Wahl dar. Behindert eine spastische Tonuserhöhung besonders bestimmte eng umschriebene Funktionen, kann der Einsatz von Botulinum-Toxin erwogen werden.
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