Klinik Hoher Meißner Bad Sooden-Allendorf - Fachklinik und Reha-Klinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung.
Druckversion vom 24.08.2009
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Bandscheibenerkrankungen bedingen langdauernde Arbeitsunfähigkeiten, aufwändige Rehabilitationsmaßnahmen und führen nicht selten zur Frühinvalidität. In Deutschland leidet jeder Dritte ständig unter Rückenschmerzen und nur etwa jeder fünfte Erwachsene bleibt von Rückenschmerzen verschont. Das ist ein Grund, dass die meisten zum Thema Rückenschmerz etwas zu sagen haben.
Die Bandscheiben liegen als Puffersubstanz zwischen den benachbarten Wirbelkörpern. Nur zwischen dem ersten und zweiten Halswirbelkörper befindet sich keine Zwischenwirbelscheibe.
Man sagt, dass die Bandscheibenveränderungen mit entsprechenden Beschwerden das Tribut sind, welches wir Menschen für unseren aufrechten Gang zu zahlen haben. Vierfüßler entwickeln im allgemeinen keine Bandscheibenschäden und Bandscheibenvorfälle. Nur der Dackel stellt, aufgrund seiner besonderen Anatomie, eine Ausnahme dar. Bei kurzen Beinen und langem Rumpf hängt seine Wirbelsäule ständig, ähnlich einer Knickbildung, durch. Durch diese Wirbelsäulenstatik kann unser kleiner Freund, der Dackel, ebenfalls einen Bandscheibenvorfall (Dackellähmung) erleiden.
Von oben nach unten betrachtet zeigt die Halswirbelsäule eine Krümmung nach vorn (Halslordose), die Brustwirbelsäule eine Neigung nach hinten (Brustkyphose) und die Lendenwirbelsäule wieder eine Neigung nach vorn (Lendenlordose). Das Kreuzbein ist mit Schwingung nach hinten starr, da die Kreuzbeinwirbel knöchern miteinander verbunden sind. Zwischen ihnen gibt es keine Bandscheiben. So resultiert in der Seitbetrachtung eine doppelt-S-förmige Schwingung der Wirbelsäule.
Bandscheibendegeneration bzw. -vorfälle entstehen am häufigsten im Übergangsbereich von einer Schwingung in die nächste, vor allem in den unteren Halswirbelsäulen- und noch viel häufiger in den unteren Lendenwirbelsäulensegmenten. Im Lendenwirbelsäulenbereich kommt als zusätzliches bandscheibengefährdendes Moment hinzu, dass die frei bewegliche Lendenwirbelsäule (mit Bandscheiben) in das feste kompakte Kreuzbein (ohne Bandscheiben) übergeht und dadurch starke Scherkräfte wirksam werden. Eine weitere Ursache dafür, dass Bandscheibenvorfälle in den 2 unteren Etagen der Lendenwirbelsäule gehäuft auftreten, besteht darin, dass in dieser Höhe der dorsale Bandscheibenring nicht mehr genügend durch das hintere Längsband stabilisiert ist. Unterhalb des dritten Lendenwirbelkörpers nimmt die Festigkeit des hinteren Längsbandes deutlich ab, insbesondere im äußeren Abschnitt der hinteren Bandscheibenbereiche. 62 % aller pathologischen Bandscheibenveränderungen sind deshalb in der unteren LWS lokalisiert. Zieht man die Bandscheibenvorfälle heraus, so verteilen sich 95 % davon auf die Segmente L4/L5 und den Lendenwirbelsäulen-/Kreuzbeinübergang.
Welche Bedeutung unsere Haltung und unser Rücken hat, spiegelt sich darin wieder, dass unsere Haltung im übertragenen Sinne in unseren Sprachegebrauch Einzug gefunden hat. Redewendungen wie "er ist gebeugt", "er ist geknickt" oder "mit dem Rücken zur Wand", "Rückgrat haben" und "dem wurde das Kreuz gebrochen" deuten auf die enge Beziehung von Haltung und Seelenleben hin.
Trotz mancher Schwachstellen ist die Wirbelsäule als Ganzes als Meisterwerk der Natur zu betrachten.
Die Wirbelsäule muss im Laufe des Lebens ganz unterschiedlichen, sogar gegensätzlichen Aufgaben gerecht werden.
Sie muss einerseits starr sein, andererseits auch biegsam.
Durch das optimale Zusammenspiel von Bändern und Muskelzügen, die wie eine Art Haltetaue funktionieren, bleibt die Wirbelsäule stabil und ist fest mit ihrer Verankerung, nämlich dem Becken, verbunden. Die Biegsamkeit der Wirbelsäule beruht auf dem funktionellen Zusammenspiel einer Vielzahl von kleinsten funktionellen Einheiten, den sogenannten Bewegungssegmenten. Ein Bewegungssegment besteht aus 2 benachbarten Wirbelkörpern, der dazwischenliegenden Bandscheibe, den Wirbelgelenken sowie Bändern, Kapseln und Muskeln. Zwischen den Bewegungssegmenten sind kleine Bewegungsausschläge möglich, die in ihrer Summation die enorme Biegsamkeit der Wirbelsäule ermöglichen. Neben der Bedeutung als Achsorgan und stabilisierendes Organ hat die Wirbelsäule eine Schutzfunktion für das Rückenmark, welches im knöchernen Wirbelkanal von der Schädelbasis bis zur unteren Lendenwirbelsäule verläuft.
Die Zwischenwirbelscheibe hat einen charakteristischen Aufbau. In der Mitte liegt ein gallertartiger Kern, der Nucleus pulposus.
Den äußeren Teil der Bandscheibe bildet der sogenannte Anulus fibrosus, der Faserring. Dieser Ring ist unter gesunden Verhältnissen kreisförmig hermetisch abgeschlossen und verhindert einen Austritt des Gallertkerns aus dieser Einheit.
Der Gallertkern steht unter hohem inneren Druck. Er dehnt sich aus, wann immer man ihm die Möglichkeit gibt und er verfügt über ein hohes Wasserbindungsvermögen.
Durch den Druck der benachbarten Wirbelkörper wird die Bandscheibe gezwungen, ihre charakteristische scheibenartige Form anzunehmen.
Bei den Bewegungen der Wirbelkörper zueinander, die sich durch Bücken, Rückwärtsneigen und Seitneigen ergeben, ändert der Nucleus pulposus jeweils innerhalb der Zwischenwirbelscheibe seine Lage, wodurch ein Druckausgleich (Pufferfunktion) und gleichzeitig ein entsprechender Abstand der benachbarten Wirbelkörper in allen nur möglichen Bewegungsstellen gewahrt wird (Kugellagerfunktion).
Im Laufe des Tages, wenn die Wirbelsäule durch unseren aufrechten Stand einer axialen Druckkomponente unterliegt, wird der Gallertkern unter Druck gesetzt und gibt einen Teil seines Wassergehaltes durch kleine Poren der benachbarten Grund- und Deckplatten in Richtung Wirbelkörper ab.
Auf den dadurch bedingten Höhenverlust der einzelnen Gallertkerne ist zurückzuführen, dass die Körpergröße am Abend ca. 1-2 cm weniger beträgt als am Morgen.
Während der Nachtruhe, wenn nur der Tonus der Muskulatur die Wirbelsäule belastet, kommt das Wasserbindungsvermögen des Gallertkerns zur Wirkung. Dadurch wandert das Wasser in Richtung Gallertkern zurück, so dass wir am Morgen wieder unsere "normale" Körpergröße erreicht haben. Die Bandscheibe ist dann wieder gut gerüstet für die Belastungen des neuen Tages.
Der osmotische Druck des Kerns verringert sich mit zunehmendem Alter, woraus sich erklärt, dass die ältere Wirbelsäule einen Größenverlust im Vergleich zur Jugend zeigt. Die Bandscheiben büßen im Alter an Elastizität ein.
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