Klinik Hoher Meißner Bad Sooden-Allendorf - Fachklinik und Reha-Klinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung.
Druckversion vom 27.05.2011
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Seite: Fibromyalgie


Fibromyalgiesyndrom oder "wenn alles weh tut"

von

Dr. med. Petra Brückner

Chefärztin der Orthopädischen Abteilung

Klinik Hoher Meißner

Besondere Angebote in der Klinik Hoher Meißner


Allgemeine Informationen zum Fibromyalgiesyndrom

Nach vorsichtigen Schätzungen leiden in Deutschland mehr als 2 Millionen Menschen an einem Fibromyalgiesyndrom.

Damit handelt es sich keineswegs um eine seltene, sondern eine häufige Erkrankung.

Der Begriff "Fibromyalgie" wurde von Hench 1976 eingeführt und von Yunus et al. 1981 weiter diagnostisch definiert. Er ersetzte die früheren Begriffe "Fibrositis" der anglo-amerikanischen Literatur oder "generalisierte Tendomyopathie" im deutschsprachigen Raum.

Angemessener als der Begriff Fibromyalgie ist die Bezeichnung Fibromyalgiesyndrom. Syndrom deshalb, da es sich bei dieser Erkrankung um einen vielschichtigen Beschwerdekomplex handelt, der nicht mit erklärenden Körperschäden einhergeht.

Lange haben Fibromyalgiebetroffene auf die formelle Anerkennung des noch immer kontrovers diskutierten Krankheitsbildes gewartet.

In der ICD 10 (Internationale Klassifikation der Erkrankungen) ist inzwischen das Fibromyalgiesyndrom im Kapitel VIII „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ mit einem eigenen diagnostischen Code (M79.70) aufgenommen.

2008 wurde von der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften für das FMS eine S3-Leitlinie erstellt, die als Patientenversion im AWMF-Leitlinienregister im Internet abzurufen ist (http://www.leitlinien.net/ – Patienteninformationen zu Leitlinien – Schmerztherapie/Fibromyalgiesyndrom).

Trotz der Leitlinie ist die Diagnosestellung der Fibromyalgie für die behandelnden Ärzte nicht einfach, da einer Fülle von Beschwerden das Fehlen von "harten" organischen Befunden gegenüber steht. Die durchgeführten Laboruntersuchungen ergeben ebenso wenig richtungsweisende Auffälligkeiten wie bildgebende Verfahren.

Deshalb stellt das Fibromyalgiesyndrom immer eine Ausschlussdiagnose dar.

Es sind Erkrankungen, die ähnliche Symptome und Beschwerden wie die Fibromyalgie hervorrufen können, z. B. Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises, Muskelerkrankungen oder schwerwiegende Depressionen, differentialdiagnostisch abzugrenzen.

 

Leitsymptome des FMS sind

Die früher obligate Forderung, dass die Druckempfindlichkeit entsprechend der Kriterien des amerikanischen Kollegiums für Rheumatologie (ACR) an mindestens 11 von 18 Tenderpoints vorliegen muss, ist für die klinische Diagnose – laut S3-Leitlinie – nicht mehr notwendig.

Vermehrte Druckempfindlichkeit an anderen Stellen des Bewegungsapparates (früher Kontrollpunkte) schließt die Diagnose eines FMS nicht aus.

Fibromyalgiepatienten leiden unter diffusen Schmerzen an ausgedehnten Körperregionen, bevorzugt im Schultergürtel- oder Becken-Bein-Bereich. Fast alle Betroffenen beklagen gestörten Nachtschlaf und frühmorgendliches Unausgeruhtsein, leichte Ermüdbarkeit, Leistungsknick, allgemeine Leistungsschwäche sowie Konzentrationsstörungen.

Es bestätigt sich eine Vielzahl von funktionellen und vegetativen Begleitbeschwerden,      z. B. kalte Hände und Füße, Zittern der Hände, Schwindelerscheinungen, Neigung zum Schwitzen und gehäuft Ohrgeräusche.

Zu den führenden Allgemeinsymptomen gehören Magen-Darm-Beschwerden im Sinne eines "Colon irritabile" mit Bauchschmerzen, Gefühl des überblähten Bauches und dem Wechsel von Durchfall und Verstopfung.

Die Symptome des Fibromyalgiesyndroms werden durch kaltes Wetter, laute Geräusche, Überanstrengung und Stress verstärkt.

Bei den Fibromyalgiepatienten überwiegen Frauen im Verhältnis 85 zu 15 deutlich gegenüber Männern.

Das Fehlen von überprüfbaren diagnostischen Fakten ist für die Patienten oft schwer zu verkraften, so dass die Betroffenen sich oftmals als "Simulanten" oder "Rentenjäger" diskriminiert fühlen.

Die Ursache des FMS ist nach wie vor unklar.

Die S3-Leitlinie empfiehlt, das Fibromyalgiesyndrom als funktionelles somatisches Syndrom und nicht als psychische Störung zu klassifizieren.

Verschiedene pathophysiologische Veränderungen sind mit dem Fibromyalgiesyndrom assoziiert, ohne eindeutiges Ursache-Wirkungsprinzip.

Beim Fibromyalgiesyndrom beobachtet man eine familiäre Häufung. Eine genetische Ursache der Erkrankung konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.

Hormonell bedingte Ursachen sind nicht bestätigt.

Hinweise auf Störungen der zentralen Schmerzverarbeitung im Sinne einer verminderten zentralen Hemmung von peripheren Reizen bzw. zentralen Sensibilisierung der Schmerzwahrnehmung existieren.

In diesem Zusammenhang ist einzuordnen, dass der für die Schmerzverarbeitung wichtige Neurotransmitter Serotonin erniedrigt und die Substanz P erhöht sein kann.

Eine Störung des Zytokinnetzwerkes mit Erhöhung proinflammatorischer Zytokine bzw. Zytokinrezeptoren bei Patienten mit FMS wird als These erörtert.

Zusammenfassend ist zur Ätiologie und Pathogenese des FMS auszuführen, dass Argumente für eine komplexe Störung der Schmerz- und Stressregelkreisläufe sprechen.

Unterschiedliche Reize scheinen das Fibromyalgiesyndrom zu begünstigen.

Man diskutiert, dass langandauernder familiärer, beruflicher oder sozialer Stress zu einem Überforderungssyndrom mit veränderter Selbstwahrnehmung und möglicherweise Störung von neuroendokriner Regulation in unterschiedlicher Ausprägung führt.

 

Therapie des Fibromyalgiesyndroms

Die Behandlung der Fibromyalgiepatienten/innen stellt seit Jahren eine der Hauptindikationen der Orthopädischen Abteilung in der Klinik Hoher Meißner dar.

Wir verzeichnen seit 1998 einen zahlenmäßig kontinuierlichen Anstieg der behandelten Fibromyalgiepatienten/innen. 1998 waren es nur 40 Patienten/innen, im Jahre 2003 mehr als 300 und bis zum jetzigen Zeitpunkt nutzten mehr als 2500 Betroffene das spezielle Therapieangebot.

Leider können wir keine Wunderspritze oder Wundertablette zur Heilung des FMS anbieten.

Das komplexe und vielschichtige Beschwerdebild des FMS erfordert einen multimodalen Therapieansatz unter stationären Bedingungen über eine Zeitdauer von mindestens 3 Wochen, bei schweren Verläufen auch länger.

Ganz individuell wird für den betroffenen/die betroffene Fibromyalgiepatient/in ein vielschichtiges Behandlungsprogramm in Anlehnung an die S3-Leitlinie erstellt.

Am Beginn steht die gemeinsame Planung von realistischen Therapiezielen.

Unrealistisch – und damit Behandlungsunzufriedenheit vorprogrammierend – wäre es, Schmerzfreiheit als Ziel zu definieren.

 

Erreichbare Rehabilitationsziele beim FMS bestehen z. B. in

 

Multimodales Therapiekonzept des Fibromyalgiesyndroms

Aus der Zwischenablage am 20.05.2010 07:50 eingefügt.

Das FMS-Behandlungskonzept in der Klinik Hoher Meißner beinhaltet folgende Schwerpunkte:

 

1.     Ärztliche Betreuung

2.     Psychologische Behandlung

Basierend auf einem kognitiv-behavioralen Ansatz.

 

Ziel der psychologischen Beratung:

3.     Krankengymnastik

Spezielle Kleingruppengymnastik für Fibromyalgie-Betroffene mit

 

In Einzelfällen zusätzlich möglich:

 

4.     Physikalische Therapie

Aus dem gesamten Spektrum der physikalischen Behandlungsmöglichkeiten werden die geeigneten Therapieverfahren, unter Beachtung der Patientenpräferenzen und der S3 Leitlinie, genutzt:

5.     Spezielle Medizinische Trainingstherapie

 

6.     Spezielle Ergotherapie

Kreativgruppe (nur für Fibromyalgiepatienten/innen).

 

7.     Medikamentöse Therapie

Das FMS ist nicht zwangsläufig eine medikamentenpflichtige Erkrankung.

Belegt ist die Wirksamkeit von dem trizyklischen Antidepressivum Amitriptylin in niedriger Dosierung zur Nacht zur Reduktion von Schmerzen und zur Verbesserung der Schlafqualität (Nebenwirkungen beachten!).

Die Serotoninwiederaufnahmehemmer Fluoxetin und Paroxetin sind bezüglich Schmerzlinderung dem Placebo überlegen.

Noradrenalin-/Serotoninwiederaufnahmehemmer (Duloxetin/Milnacipran).

Laut S3-Leitlinie keine Empfehlung zum Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika.

Opioide: Langfristige Wirksamkeit durch Studien nicht belegt.

Pregabalin (Antiepileptikum): Befristeter Therapieversuch unter Überprüfung der Wirksamkeit möglich.

Pramipexol (Dopaminantagonist): Zeitlich befristeter Therapieversuch kann erwogen werden.

Kortikoide: Wirksamkeit nicht belegt.

Schilddrüsenhormone: Wirksamkeit nicht belegt.

 

8.     Sozialberatung

 

9.     Ernährung und Ernährungsberatung

 

10. Für Einzelfälle Ganzkörperhyperthermie durch wassergefilterte kurzwellige Infrarot A-Strahlung(nähere Informationen siehe auf der Homepage unserer Klinik unter Informationen über Krankheitsbilder für Patienten/Med. Informationen Orthopädie/Ganzkörperhyperthermie).

Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.

 

Für die meisten der FM-Patienten/innen konnten wir durch das dargestellte umfassende Therapiekonzept die angestrebten Behandlungsziele erreichen und würden sehr uns freuen,

Sie in unserer Klinik begrüßen zu können.

 

Wenn Sie Fragen haben, so rufen Sie doch einfach an (05652 55-821) oder besser senden Sie eine E-Mail (Orthopaedie).

 

Mit allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meißner
Fachärztin für Orthopädie, Fachärztin für Physikalische
und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin,
Chirotherapie, Akupunktur, Sozialmedizin
Spezielle Schmerztherapie

 

 

Copyright © 11.05.2010 Klinik Hoher Meissner


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