Klinik Hoher Meißner Bad Sooden-Allendorf - Fachklinik und Reha-Klinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung.
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Seite: Nach 10 Jahren Impfung auffrischen


Nach 10 Jahren Impfung auffrischen

(HNA, 18.03.2005)

Dr. Carsten Schröter schildert zur Kinderlähmung und den Schutzimpfungen

Bad Sooden-Allendorf. Die Krankheit Kinderlähmung ist nach wie vor im Gespräch, obwohl die Zahl der Errankungen zurückgeht. Thomas Kopietz sprach mit Dr. Carsten Schröter, Chefarzt Neurologie, in der Klinik Hoher Meissner über die Krankheit, Symptome und Schutzvorkehrungen.

Sie veranstalten in der Klinik Hoher Meißner eine Info-Veranstaltung für Menschen mit späten Kinderlähmung-Symptomen. Wie äußern sich diese?
Dr. Carsten Schröter: Vor gut 40 Jahren gab es die letzte Welle der Kinderlähmung, kurz Polio bezeichnet. Durch die Infektion gehen Nervenzellen im Rückenmark unter. Kinder haben Lähmungen entwickelt, die sich nach der akuten Erkrankung oft gut zurückgebildet haben. Mit den individuellen Folgen, Restlähmungen, Beinverkürzungen und Verkrümmungen der Wirbelsäule, oft auch mit Schmerzen durch die Fehlbelastung, haben die Menschen Jahrzehnte gelebt. Die Symptome waren stabil, die Betroffenen haben gelernt, die Störungen im Alltag zu kompensieren. Jahrzehnte nach der Kinderlähmung kann es dann durch Erschöpfung der verbliebenen Nervenzellen zu einer langsamen Zunahme der Lähmungen kommen, auch zu einer verminderten Belastbarkeit und Zunahme der Schmerzen. Dann spricht nach vom Post-Polio-Syndrom, PPS.

Was können Patienten gegen die Symptome tun?
Dr. Carsten Schröter: Jetzt müssen die Betroffenen lernen, nicht mehr durch intensives Training und mehr Anstrengung die Störungen zu kompensieren, sondern die Kraftressourcen besser einzuteilen, Pausen zu machen, ein dosiertes Training ist sinnvoll. Wärmetherapie sind zum Lockern der verspannten Muskulatur bei den oft fröstelnden Patienten eine wichtige Facette.

Besteht in Deutschland überhaupt noch die Gefahr, an Kinderlähmung zu erkranken und ist die Polio-Schutzimpfung daher noch notwendig?
Dr. Carsten Schröter: Durch die Schluckimpfung ist die Polio weit zurückgedrängt worden. In Teilen Asiens und Afrikas ist sie aber auch heute noch aktiv. Durch den lebhaften Tourismus ist die Gefahr des Einschleppens nach Europa weiterhin gegeben. Die Impfbereitschaft lässt aber leider nach, was die Gefahr von erneuten Endemien erhöht. So traten in einer Region der Niederlande 1992 durch eingeschleppte Erreger mehr als 70 Fälle von Kinderlähmung auf.

Welche Impfstoffe werden verwendet und wann soll geimpft werden?
Dr. Carsten Schröter: Mit dem heute eingesetzten Impfstoff, der aus abgetöteten Viren besteht, ist die Gefahr einer Impf-Polio, die bei der früheren Schluckimpfung selten auftreten konnte, nicht mehr gegeben. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (Berlin) hatte bereits im Jahr 2002 empfohlen, dass nach einer Grund-Immunisierung im ersten Lebensjahr noch einmal nach etwa zehn Jahren eine Auffrisch-Impfung erfolgen muss. Weitere Polio-Impfungen sind dann erforderlich, wenn sich ein Reisender in ein noch bestehendes Polio-Risikogebiet begibt. Sollte bei Reisenden in diese Regionen die Polio-Impfung länger als zehn Jahre zurückliegen, dann ist eine weitere Impfung erforderlich.





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