Klinik Hoher Meißner Bad Sooden-Allendorf - Fachklinik und Reha-Klinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung.
Druckversion vom 24.02.2009
URL: http://www.reha-klinik.de/pressespiegel/nach-10-jahren-impfung-auffrischen.html
(HNA, 18.03.2005)
Dr. Carsten Schröter schildert zur Kinderlähmung und den Schutzimpfungen
Bad Sooden-Allendorf. Die Krankheit Kinderlähmung ist nach wie vor im Gespräch, obwohl die Zahl der Errankungen zurückgeht. Thomas Kopietz sprach mit Dr. Carsten Schröter, Chefarzt Neurologie, in der Klinik Hoher Meissner über die Krankheit, Symptome und Schutzvorkehrungen.
Sie veranstalten in der Klinik Hoher Meißner eine
Info-Veranstaltung für Menschen mit späten Kinderlähmung-Symptomen.
Wie äußern sich diese?
Dr. Carsten Schröter: Vor gut 40 Jahren gab es die
letzte Welle der Kinderlähmung, kurz Polio bezeichnet. Durch die
Infektion gehen Nervenzellen im Rückenmark unter. Kinder haben
Lähmungen entwickelt, die sich nach der akuten Erkrankung oft gut
zurückgebildet haben. Mit den individuellen Folgen, Restlähmungen,
Beinverkürzungen und Verkrümmungen der Wirbelsäule, oft auch mit
Schmerzen durch die Fehlbelastung, haben die Menschen Jahrzehnte
gelebt. Die Symptome waren stabil, die Betroffenen haben gelernt,
die Störungen im Alltag zu kompensieren. Jahrzehnte nach der
Kinderlähmung kann es dann durch Erschöpfung der verbliebenen
Nervenzellen zu einer langsamen Zunahme der Lähmungen kommen, auch
zu einer verminderten Belastbarkeit und Zunahme der Schmerzen. Dann
spricht nach vom Post-Polio-Syndrom, PPS.
Was können Patienten gegen die Symptome tun?
Dr. Carsten Schröter: Jetzt müssen die Betroffenen
lernen, nicht mehr durch intensives Training und mehr Anstrengung
die Störungen zu kompensieren, sondern die Kraftressourcen besser
einzuteilen, Pausen zu machen, ein dosiertes Training ist sinnvoll.
Wärmetherapie sind zum Lockern der verspannten Muskulatur bei den
oft fröstelnden Patienten eine wichtige Facette.
Besteht in Deutschland überhaupt noch die Gefahr, an
Kinderlähmung zu erkranken und ist die Polio-Schutzimpfung daher
noch notwendig?
Dr. Carsten Schröter:
Durch die Schluckimpfung ist die Polio weit zurückgedrängt worden.
In Teilen Asiens und Afrikas ist sie aber auch heute noch aktiv.
Durch den lebhaften Tourismus ist die Gefahr des Einschleppens nach
Europa weiterhin gegeben. Die Impfbereitschaft lässt aber leider
nach, was die Gefahr von erneuten Endemien erhöht. So traten in
einer Region der Niederlande 1992 durch eingeschleppte Erreger mehr
als 70 Fälle von Kinderlähmung auf.
Welche Impfstoffe werden verwendet und wann soll geimpft
werden?
Dr. Carsten Schröter: Mit dem heute eingesetzten
Impfstoff, der aus abgetöteten Viren besteht, ist die Gefahr einer
Impf-Polio, die bei der früheren Schluckimpfung selten auftreten
konnte, nicht mehr gegeben. Die ständige Impfkommission des
Robert-Koch-Instituts (Berlin) hatte bereits im Jahr 2002
empfohlen, dass nach einer Grund-Immunisierung im ersten Lebensjahr
noch einmal nach etwa zehn Jahren eine Auffrisch-Impfung erfolgen
muss. Weitere Polio-Impfungen sind dann erforderlich, wenn sich ein
Reisender in ein noch bestehendes Polio-Risikogebiet begibt. Sollte
bei Reisenden in diese Regionen die Polio-Impfung länger als zehn
Jahre zurückliegen, dann ist eine weitere Impfung erforderlich.