
Die Arthrose ist bis heute nicht "heilbar".
Keine der dargestellten Therapiemethoden ist in der Lage, den Arthroseprozess nachweisbar aufzuhalten oder das Gelenk in einen "gesunden" Zustand zurückzuführen
Individuelle Risikofaktoren, wie Übergewicht, sollte minimiert
werden.
Einseitige Gelenkbelastung, wie langes Knien, Hocken oder Bücken,
ist zu vermeiden bzw. durch Lockerungsgymnastik bzw.
gelenkgerechtes Verhalten, zu unterbrechen. Sportliche Aktivitäten
in sinnvollen Maße unterstützen die Gelenkknorpelernährung und
beeinflussen die Gelenkfunktion positiv. Kräftigung der
gelenkführenden Muskulatur (gezielte Krankengymnastik) zielt auf
Gelenkstabilisierung ("von außen") und wirkt über Beseitigung
muskulärer Dysbalancen und Gelenkentlastung dem Voranschreiten der
Arthrose entgegen. Bei Arthrose sind gelenkbelastende Sportarten
wie Marathonläufe, aggressive Ballspiele und SkiaDRV-Bundhrtslauf
zu vermeiden. Als günstige gelenkschonende sportliche Aktivitäten
werden gezielte Gymnastik, Schwimmen, Walken, Radfahren oder
Skilanglauf betrachtet.
Medikamentöse Therapie
Ziel der medikamentösen Arthrose-Therapie besteht in der
Entzündungshemmung und Schmerzlinderung. Es wurde dargestellt, dass
eine ausgeprägte Entzündung der Gelenkinnenhaut den Knorpelabbau
beschleunigt und den Gelenkverschleiß dadurch verstärkt. Dieser
unglückselige Kreislauf soll medikamentös unterbrochen
werden.
Bei Gelenkergüssen sollte umgehend punktiert werden.
Bei wiederkehrenden Gelenkergüssen, z.B. im Rahmen einer
rheumatischen Grunderkrankung kann ein cortisonhaltiges Medikament
in das Gelenk verabreicht werden, um den Entzündungsprozess
nachhaltig zu stoppen. Von wiederholten intraartikulären
cortisonhaltigen Injektionen ist jedoch abzuraten. In das Gelenk
können auch sogenannte Chondroprotektiva (Hyalart, Synvisc)
gespritzt werden.
Diese Stoffe haben eine große Ähnlichkeit mit Gelenkflüssigkeit,
sollen weitere Knorpeldestruktion aufhalten, durch Hemmung
entzündungsfördernder Enzyme den Entzündungsmechanismus bremsen und
damit eine Schmerzreduktion und Funktiongsverbesserung bewirken.
Wirkungsvolle Entzündungshemmer und Schmerzmittel sind die
nicht steroidalen Antirheumatika (z.B. Voltaren
oder Ibuprofen). Der Nachteil dieser Medikamentengruppe besteht in
der schlechten Magenverträglichkeit und Reizung der
Magenschleimhaut, deshalb sollten sie in Kombination mit
Magenschutzpräparaten eingenommen werden. Die COX-2-Hemmer Vioxx
und Bextra wurden wegen Nebenwirkungen vor kurzem vom Markt
genommen. Für den COX-2-Hemmer Celebrex wurden neue Warnhinweise
verfügt. Auch vom Celebrex soll ein erhöhtes kardiovaskuläres und
gastrointestinales Risiko ausgehen. Außerdem besteht eine
Kontraindikation für Patienten mit kurz zurückliegender
Bypass-Operation.
Beim Vorliegen einer systemisch-entzündlichen Erkrankung
(rheumatische Grunderkrankung) als Ursache für die Arthrose, muss
die Grunderkrankung suffizient medikamentös behandelt werden.
Das geschieht durch Substanzen, die grundlegend in den
Krankheitsprozess eingreifen, sogenannte Basisrheumatika.
Dazu gehören Chloroquin / Hydroxychloroquin (Resorchin, Quensyl),
D-Penicillamin, Goldsalz.
Immunsupressiva, wie Methotrexat (Ciclosporin), werden mit sehr
gutem Erfolg bei der chronischen Polyarthritis angewandt. Sollten
die genannten Basistherapeutika versagen, so kann man über den
Zytokinkreislauf in das begleitende Entzündungsgeschehen
eingreifen. Man unterscheidet Zytokine, die die Entzündung fördern
von Zytokinen, die die Entzündung hemmen.
Bei Patienten mit chronischer Polyarthritis (rheumatische
Grunderkrankung) werden die Zytokine IL-1-Beta und
Tumornekrosefaktor Alpha als entzündungsfördernde Zytokine in
erhöhten Maße gebildet. Ist der chronische Entzündungsprozeß durch
die Basistherapeutika nicht zu stoppen, finden
Tumornekrosefaktor-Alpha-Hemmer (Remicade oder Enbrel, Arava)
Einsatz. Die Behandlung mit Tumornekrosefaktor-Alpha-Hemmern ist
eine neue innovative Therapie, die noch speziellen Rheumazentren
vorbehalten ist. Sollte eine Gicht als Ursache für die
Gelenkveränderung vorliegen, behandelt man mit Medikamenten, die
einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut entgegenwirken. Parallel
dazu ist die Lebensführung und der Lebensstil des Gichtkranken
(Ernährung) zu beeinflussen (Kost- und Diätberatung).
Unkonventionelle medikamentöse Therapie
Aus der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) ist bekannt, dass Weihrauch und Brennnessel-extrakt entzündungshemmend wirken. Durch Brennnesselextrakt (z.B. Hox-Alpha) wurde bei Untersuchung im Labor die Bildung vom Tumornekrosefaktor-Alpha und Interleukin 1 gehemmt. Teufelskralle, aus dem südwestlichen Afrika stammend, führt zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung bei Gelenkverschleiß.
Medikamentöse Schmerztherapie bei Arthrose
Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist, ständige Bewegungs-
und Belastungsschmerzen verursacht und dadurch auch der Nachtschlaf
gestört ist, drehen sich die Gedanken des Betroffenen nur noch um
seine Schmerzen. Mit der Zeit entwickelt sich eine eigenständige
Schmerzkrankheit. Die Schmerzen werden dann nicht nur im erkrankten
Gelenk verspürt, sondern sie strahlen auch in andere Körperbereiche
aus - letztlich wird der Erkrankte depressiv, fühlt sich
unverstanden und tritt sozialen Rückzug an. Schmerzbedingt nimmt
die Bewegungsarmut zu, so dass ein schlechter Kreislauf von
Bewegungsarmut, Muskelschwund und Gelenkeinsteifung in Gang kommt.
Bei diesem Patienten mit chronischem Arthroseschmerz empfiehlt sich
eine Behandlung nach dem Stufenplan der WHO. Sofern die
Schmerzmittel der ersten Stufe, wie Diclofenac oder Ibuprofen,
nicht mehr ausreichen, werden in der zweiten Stufe schwach wirksame
Opioide verordnet, z.B. Tramadol oder Tilidin. Wenn auch diese
Schmerzmittel nicht ausreichend wirksam sind, so wird der
behandelnde Arzt auf stark wirksame Opioide wie Fentalylpflaster
oder Morphin-Präparate zurückgreifen müssen. Das trifft auch dann
zu, wenn eine operative Versorgung des Gelenkverschleißes aufgrund
von Risikofaktoren nicht möglich ist.
Zur Behandlung chronischer Schmerzzustände gehört auch die Einnahme
von Antidepressiva.
Der antinozizeptive Effekt von Antidepressiva ist unabhängig von
der antidepressiven Wirkung selbst. Das bedeutet, dass durch die
Gabe von Antidepressiva keine Depression behandelt werden soll,
sondern ein eigener schmerzlindernder Effekt genutzt wird. Dem
Betroffenen sollte klar sein, dass die Behandlung mit
Antidepressiva hier nicht zur Therapie von psychischen
Auffälligkeiten Einsatz findet, sondern zur "Anhebung der
Schmerzschwelle".
Ergotherapie
In der Ergotherapie werden kreative Aktivitäten genutzt, um Gelenkfunktionen zu verbessern. Ergotherapeuten vermitteln umfassende Informationen zum Gelenkschutz. Arbeitstechniken unter dem Gesichtspunkt der Gelenkschonung und Vermeidung von Gelenkfehlbelastung werden vermittelt und geübt. Ergonomische Versorgungen (z.B. Schuhlöffel, Schuh- und Strumpfanziehhilfe, anatomische Griffgestaltung) erleichtern bestimmte gelenkbeanspruchende Alltagsverrichtungen.
Orthopädietechnik
Orthopädietechnische Maßnahmen sind geeignet, in verschiedenen Stadien der Erkrankung Erleichterung zu verschaffen. Bei schwerer Arthrose im Gelenkbereich der unteren Extremitäten kann ein Gehstock auf der Gegenseite oder auch 2 Unterarmgehstützen Sicherheit und Entlastung der betroffenen Extremität bieten. Es stehen verschiedenste Einlagen und Schuhzurichtungen zur Entlastung der Arthrose-gelenke im Zeh-, Sprung-, Kniebereich zur Verfügung. Vorteilhaft sind dämpfende Einlagen oder Absätze (Weichbettung, Pufferabsätze), wodurch Stoßbelastungen im Gelenkbereich der unteren Extremitäten minimiert werden können. Versorgungen mit Gelenkbandagen sind im Einzelfall, z.B. bei bandinstabilen Kniegelenken notwendig. Im Allgemeinen haben sie weniger einen mechanischen - als vielmehr einen psychisch-aktivierenden Effekt. Bei Verordnung einer Bandage oder stabilisierenden Orthese gilt es immer zu bedenken, dass eigene Muskulatur entlastet - und sich dadurch weiter zurückbilden wird.
Physikalische Therapie und Krankengymnastik
Der Krankengymnastik kommt die zentrale Bedeutung im Rahmen der
konservativen Arthrose-Therapie zu. Sie dient der
Bewegungsverbesserung im Gelenkbereich, Dehnung verkürzter Band-
und Muskelstrukturen und dem muskulären Aufbau.
Insbesondere im Frühstadium der Arthrose gilt, dass Bewegung Wunder
wirkt.
Durch krankengymnastische Übungsbehandlung durchbricht man den
unglückseligen Kreislauf von Muskelabbau, Schmerzzunahme, Abnahme
der Aktivität und weiterer Muskelumfangsminderung. Auch Techniken
der manuellen Therapie können im frühen Erkrankungsstadium gut
eingesetzt werden zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit sowie
zur Entspannung der umgebenden Weichteile. Übungsbehandlung im
Bewegungsbad ermöglicht, unter Aufhebung der Eigenschwere ein
schmerzarmes Üben der degenerativ veränderten Gelenke. Positive
Zusatzeffekte sind der Wasserauftrieb und die
Volumenwärmewirkung.
Wärme oder Kälte?
Bei akuter Gelenkreizung ist meist Kältebehandlung angezeigt.
Diese kann in Form von kalten Moorpackungen, Eispackungen oder
Eisabrieb, Kaltluft oder in Kältekammern verabreicht werden.
Längerfristig angewandte Kälte (15 bis 20 Minuten) führt zu
muskulären Entspannung.
Häufig werden Kälteanwendungen krankengymnastischen
Übungsbehandlungen vorgeschaltet, da sie die Schmerzschwelle
anheben. Örtliche Wärmeanwendungen sind bei "entzündungsfreier"
Gelenkabnutzung indiziert.
Die Wärme wirkt bei Arthrosen muskelentspannend,
durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Wärmeanwendung gibt es
in Form warmer Auflagen, Wärmestau unter Wickel, heißen Moor- und
Fango- oder Heublumenpackungen oder in Form von warmen
Wasserbehandlungen, wie z.B. Arm- oder Fußbädern.
Elektrotherapie
Elektrotherapie ist wirksam bei akuten und chronischen
Arthroseschmerzzuständen.
Besonders diadynamische Ströme und mittelfrequente Ströme haben
sich als vorteilhaft erwiesen. Manche Stromformen (Galvanisation,
Kurzwelle) bewirken neben der Schmerzlinderung auch eine
Gewebeerwärmung und dienen dadurch der Entspannung des
gelenkumgebenden Gewebes.

Verbote und Gebote
Arthroskopische Gelenkspülung und Knorpelglättung
Dieser arthroskopische Eingriff bringt kurzfristig Erfolgsraten
von bis zu 80% und mittelfristig zufriedenstellende Ergebnisse von
50% bis zu 5 Jahren. Nachteil ist, dass weder ein Knorpelregenerat
gebildet, noch die weitere Arthroseentwicklung nachhaltig
beeinflusst wird.
Verfahren zur Knorpelneubildung
Es gab in der Vergangenheit schon viele Versuche, die Knorpelneubildung operativ anzuregen. Man hat es mit Bohrungen (Bridiebohrung) oder mit Mikrofrakturierung, die in dem Bereich des Defektes gesetzt wurden, versucht. Durch die Eröffnung des subchondralen Knochens kommt es zu einer Öffnung von intraossären Blutgefäßen mit lokaler Bildung und Anlagerung eines Blutkoagels. Die darin enthaltenen mesenchymalen Stammzellen aus dem Knochenmark und Zellen aus der membrana synovialis sollen zu einem Faserknorpel differenzieren. Biomechanische Testungen zeigten eine deutlich geringere Belastbarkeit des Knorpelersatzgewebes im Vergleich zum hyalinen Knorpel. Der gebildete Faserknorpel ist den mechanischen Anforderungen im Gelenkbereich längerfristig nicht gewachsen, so dass diese Versorgung nicht den gewünschen Langzeiteffekt brachte.
Zelltransplantation
Bei dieser modernen Methode wird intaktes Knorpelzellgewebe aus wenig belasteten Gelenkarealen gewonnen, daraus Chondrozyten isoliert und in der Zellkultur vermehrt. Diese Zellkultur wird dann auf den Knorpeldefekt in der Belastungszone aufgebracht und mit einem Knochenhautlappen abgedeckt. Durch diese Methode bildet sich ein belastbarer Ersatzknorpel, jedoch ist diese Behandlung nur kleinen Knorpeldefekten an bestimmten Gelenkarealen vorbehalten.
Knorpelknochentransplantation
Durch Knorpelknochentransplantation werden recht gute Resultate erzielt, wenn man die Ergebnisse mit Nachtuntersuchungszeiten von bis zu 9 Jahren berücksichtigt. Die Knorpelknochentransplantation ist nur für begrenzte Defekte mit intakter Umgebung einzusetzen, nicht bei großflächigen Knorpelverschleiß. Außerhalb der Hauptbelastungszone des Gelenkes wird ein Knorpelknochenzylinder entnommen und in den Knorpeldefekt eingebracht. Manchmal sind mehrere Stanzen notwendig, um den Knorpeldefekt auszufüllen. Nachuntersuchungen haben bei dieser Methode in der transplantierten Zone einen hochwertigen belastbaren Knorpel gezeigt.
Operative Achskorrekturen
Bei angeborenen oder posttraumatischen Fehlstellungen sollte die operative Achskorrektur des Gelenkes durchgeführt werden, um dem Entstehen oder Voranschreiten der arthrotischen Deformierung entgegen zu wirken. Die operative Achsumstellung (siehe Bilder) ist im Einzelfall zu besprechen und zu entscheiden. Achskorrekturen als gelenkerhaltende Operationen sind durch die Studienlage mit ansprechenden Langzeiteffekten gut belegt.
Prothetischer Gelenkersatz.
Bei schwerster Gelenkdestruktion mit ständigem Schmerz, Bewegungseinschränkung und Verminderung von Mobilität und Lebensqualität ist, vor allem im Hüft- und Kniegelenk, die Indikation zum Einbau eines Kunstgelenkes gegeben. Die Kunstgelenkimplantation ist für den Arthrosepatienten ein segensreicher Eingriff.
Einen guten OP-Erfolg vorausgesetzt, wird dadurch der
Arthroseschmerz und der entzündliche Reizzustand beseitigt sowie
die Gelenkbeweglichkeit verbessert.
Der Operierte ist nach relativ kurzer Nachbehandlung in der Lage,
schmerzfrei zu laufen und Treppen zu steigen, die Aktivitäten des
täglichen Lebens zu verrichten und besser am gesellschaftlichen
Leben teilzunehmen, so dass die Lebensqualität insgesamt durch
diesen operativen Eingriff deutlich verbessert wird.
Gern helfen wir Ihnen mit unseren umfangreichen rehabilitativen Möglichkeiten, wenn Sie von Gelenkbeschwerden geplagt sind oder - im Sinne einer Nachbehandlung - wenn Sie ein Kunstgelenk implantiert bekamen.
Wenn Sie Fragen haben, so rufen Sie doch einfach an (Telefon: 05652/55821) oder besser senden Sie eine E-Mail (Orthopädie).
Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.
Mit allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher
Meissner
Fachärztin für Orthopädie, Fachärztin für Physikalische
und Rehabilitative Medizin, Chirotherapie,
Neuraltherapie und Akupunktur
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Aktualisiert am 12.03.2009