
Schlaganfall - Vorbeugung - die
Risikofaktoren
In Anbetracht der oft verbleibenden schweren Beeinträchtigungen
muss also versucht werden, einem Schlaganfall vorzubeugen. Hierzu
ist die Kenntnis der Risikofaktoren notwendig. Nicht veränderbare
Risikofaktoren sind zunehmendes Alter, männliches Geschlecht sowie
andere genetische Faktoren. Risikofaktoren, auf die Einfluss
genommen werden kann, müssen aber besonders berücksichtigt
werden:
Schlaganfall-Vorbeugung - Veränderbare
Risikofaktoren:
| Erhöhter Blutdruck | 2 - 10fach |
| Rauchen | 2 - 5fach |
| Diabetes mellitus | 2 - 3fach |
| Bewegungsmangel | 1,5 - 2-fach |
| Übergewicht | 1,5 - 2fach |
| Hyperlipidämie | 1,5 - 2fach |
| Alkoholkonsum | 1,5 - 3fach |
| Hyperhomocystienämie | bis 5fach |
| Die "Pille" (Östrogengehalt über 50 µg) | bis 2fach |
| Vorhofflimmern | 1,2 bis 17fach |
Die Risiken und Möglichkeiten der Vermeidung sollten auch schon jüngeren Personen kennen, da sie die schlaganfallgefährdeten Personen der nächsten Jahrzehnte sind. In einer Zeit, wo Bewegungsmangel und Übergewicht zunehmen, muss besonders für Verhaltensänderungen geworben werden. So sollten Pat. Spaß an Bewegung, ein normgerechtes Körpergewicht, eine ausgeglichene Ernährung sowie regelmäßige Untersuchungen durch den Hausarzt empfohlen und vermittelt werden.
Schlaganfall - Vorbeugung - Arterielle Hypertonie (=
Bluthochdruck)
Die arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor. Der
Blutdruck sollte in Ruhe generell 130/80 mm Hg nicht überschreiten.
Ist der untere Blutdruckwert auf Werte von über 100 mm Hg erhöht,
so ist das Risiko eines Schlaganfalls bereits um den Faktor 10
erhöht. Man kann von der stummen Gefahr sprechen, da erhöhter
Blutdruck oft viele Jahre nicht bemerkt wird. Die konsequente
Behandlung reduziert deutlich das Risiko, einen Schlaganfall zu
erleiden. Eine Zusammenfassung verschiedener Studien zeigte, dass
beispielsweise eine etwa 40%ige Verminderung des
Schlaganfallrisikos durch Senkung des diastolischen (unteren)
Blutdruckwertes von bereits 5-6 mm Hg erreicht wird.
Möglichkeiten der Behandlung sind die Beschränkung der
Kochsalzaufnahme auf 3 - 5 g/Tag, Gewichtsnormalisierung und
verminderter Alkoholkonsum. Eine Tasse Kaffee ist unproblematisch,
"kannenweise" sollte er aber nicht getrunken werden. Oft lässt sich
eine medikamentöse Behandlung nicht umgehen. Erhöhter Blutdruck
macht zunächst keine Beschwerden, wohl aber können möglicherweise
Nebenwirkungen der Medikamente auftreten. Oft werden sie dann nicht
eingenommen, ohne dass dies mit dem Hausarzt besprochen wurde. Die
Folgen in Form eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts drohen dann
einige Jahre später. Deshalb: Vertragen sie die Blutdruckmedikation
nicht, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Die Palette der
verschiedenen Medikamente ist heute recht breit. Ihr Arzt wird mit
Ihnen nach Alternativen suchen.
Schlaganfallvorbeugung - Diabetes mellitus ( =
Zuckerkrankheit)
Der Diabetes mellitus gilt als unabhängiger Risikofaktor für das
Auftreten eines Schlaganfalls. Besonders ungünstig ist das
gemeinsame Auftreten von Diabetes mellitus, Übergewicht, arterielle
Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen. Dies finden wir besonders
beim Typ 2 des Diabetes mellitus, die Form die eher bei älteren und
übergewichtigen Personen auftritt. Eine konsequente
Blutzuckereinstellung stellt nach allgemeiner Übereinkunft eine
wichtige Grundlage zur Schlaganfall - Vorbeugung dar.
Übergewichtige sollten unbedingt unter ärztlicher Kontrolle eine
Minderung des Gewichts anstreben.
Schlaganfall - Vorbeugung -
Hypercholesterinämie
Obwohl ein klarer Zusammenhang zwischen erhöhten
Serum-Cholesterinspiegeln und koronarer Herzkrankheit besteht, wird
vereinzelt Zweifel an dem Zusammenhang zwischen Schlaganfall und
hohem Cholesterin geäußert. Belegt ist aber, dass durch Senkung des
Cholesterinspiegels das Schlaganfall - Risiko sinkt.
Liegt ein erhöhter Wert für Cholesterin vor, sollten auch die
unterschiedlichen Anteile wie LDL und HDL bestimmt werden. LDL (low
density lipoproteins = leichte Lipoproteine) erhöht das Risiko von
Durchblutungsstörungen, HDL (high density lipoproteins = schwere
Lipoproteine) mindern das Risiko. Das Verhältnis der beiden Anteile
ist noch wichtiger als der Absolutwert von Cholesterin. Besprechen
Sie mit Ihrem Arzt, welche Werte für Sie als Normwerte gelten
können.
Es sollte eine cholesterinarme Diät eingehalten werden, der Patient
im Rahmen der Rehabilitation oder durch Kurse beispielsweise bei
Krankenkassen entsprechend geschult werden. Beim Einsatz von
Cholesterin-senkenden Medikamenten (Statinen) ist das Muskelenzym
CK im Blut zu überprüfen, um eine Gefährdung durch eine den Muskel
in Mitleidenschaft ziehende Nebenwirkung rechtzeitig zu
erkennen.
Schlaganfall - Vorbeugung - Nikotinkonsum
Nikotinkonsum stellt einen unabhängigen Risikofaktor für das
Auftreten von Hirninfarkten dar. Ganz allgemein wird angenommen,
dass das Risiko etwa verdoppelt wird. Bestimmte Gruppen haben aber
ein deutlich mehr erhöhtes Risiko, beispielsweise Frauen, die mehr
als 25 Zigaretten pro Tag rauchen. Rauchende Patienten sollten an
der Raucherentwöhnungsgruppe teilnehmen. Bei Abstinenz treten erste
Effekte wahrscheinlich sofort auf, Nikotin macht die Gefäße
schließlich nicht mehr eng. Eine deutliche Minderung des Risikos
für Schlaganfall ist nach 2 Jahren bereits statistisch belegt. Nach
5-10 Jahren Abstinenz besteht schon das Schlaganfall -Risiko eines
Nichtrauchers. Bezogen auf Lungenkrebs ist das Risiko eines
Nichtrauchers nach ca. 15 Jahren erreicht. Aber, wie sagte Mark
Twain:
Es gibt nichts leichteres, als mit dem Rauchen aufzuhören! Ich habe
es schon 137 mal geschafft!
Hier helfen Nichtraucherkurse weiter. Diese werden oft in
Rehabilitationskliniken angeboten, aber auch von Krankenkassen.
Schlaganfall - Vorbeugung - Alkoholkonsum
Während geringer Alkoholkonsum ( z.B. 1Glas Wein oder 1 Glas Bier
täglich) offenbar mit einem verringerten Risiko eines Schlaganfalls
einhergehen, ist schwerer Alkoholabusus mit einer deutlich erhöhten
Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Schlaganfällen verbunden. Bei
Männern ist ein erhöhtes Risiko ab 30 - 40 g Alkohol tgl., bei
Frauen ab 20 - 30 g Alkohol täglich anzunehmen. 30 - 40 g Alkohol
entsprechen etwa 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein.
Wegen der möglichen Nebenwirkungen von Alkohol kann auch der
regelmäßige Konsum niedriger Dosen nicht empfohlen werden.
Allerdings kann bezogen auf den Schlaganfall die Frage eines
Patienten, ob er trotz des Schlaganfalls noch ein Glas Wein abends
trinken dürfe, mit "ja" beantwortet werden, wenn nicht
Wechselwirkungen mit Medikamenten oder andere Erkrankungen dagegen
sprechen. Ein günstiger Effekt wird bei einem Konsum von bis zu
0,25 l Wein täglich angenommen. Der gleiche Effekt wird aber auch
bei der gleichen Dosis einmal pro Woche bereits erreicht.
Schlaganfall - Vorbeugung - die "Pille"
Bei Frauen bis zu den Wechseljahren ist das Schlaganfall -Risiko
vermindert, bedingt durch einen hormonellen Schutz. Die Einnahme
der "Pille" mit hochdosiertem Östrogen (>50µg) erhöht das
Hirninfarktrisiko aber um den Faktor 2-3. Besonders liegt ein
erhöhtes Risiko vor bei gleichzeitig erhöhtem Bluthochdruck
und/oder Nikotinkonsum und/oder Gerinnungsstörungen.
Die neuen Präparate sind zwar weniger problematisch, aber auf das
Vorliegen einer Gerinnungsstörung sollte vor Verschreiben der Pille
geachtet werden.
Schlaganfall - Vorbeugung - Körperliche
Inaktivität
Wir kennen das fast alle. Der Weg morgens von der Haustür bis zur
Autotür beträgt 20 m, der Weg von der Autotür zum Bürostuhl 100 m.
Aber auch wer körperliche Belastungen am Arbeitsplatz zu bewältigen
hat, hat dadurch nicht die Bewegung und Kreislaufanregung, die das
Kreislaufsystem anregen und das Risiko von Hirn- oder Herzinfarkt
mindern. In Deutschland sind in der Folge des Bewegungsmangels -
und des zu reichlichen Essens - etwa 30% der erwachsenen Personen
übergewichtig. Mit dem zunehmenden Übergewicht sind oft auch
erhöhte Cholesterin-Spiegel und erhöhter unterer Blutdruckwert
verbunden. Was können wir tun? Diät und körperliche Bewegung.
Körperliche Aktivität reduziert das Risiko, einen Schlaganfall zu
erleiden, infolge günstiger Effekte auf das Körpergewicht,
Blutdruck, Serum-Cholesterinspiegel und Zuckerstoffwechsel. Um eine
etwa 20%ige Minderung des Risikos zu erreichen, sind mindestens 2x
30 Min. eines Ausdauersports pro Woche notwendig. Dies können
Jogging, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder flottes Gehen sein. Oft
ist die Einsicht nicht das Problem. Wir beginnen mit einem
Training, aber dann lässt der Eifer doch rasch nach. Wenn wir
wissen, dass wir uns mit einer bestimmten Person zu einer
bestimmten Zeit treffen, um Sport zu machen, gelingt es leichter,
regelmäßig aktiv zu sein.
Vorbeugung - Homocysteinsäure
Die Homocysteinsäure spielt im Aminosäure- und
Bindegewebsstoffwechsel eine Rolle. Ein erhöhter Spiegel gilt als
unabhängiger Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt.
Funktionsstörungen der Innenhaut der Arterien und eine vermehrte
Teilungsbereitschaft der glatten Gefäßmuskelzellen sind
wahrscheinlich die Ursache dafür. Da die Substanz unter Einfluss
von Vitamin B6, B12 und Folsäure verstoffwechselt wird, kann durch
diese Substanzen der Spiegel vermindert werden. Besonders bei
jungen Erkrankten ist an diesen Risikofaktor zu denken.
Schlaganfall - Vorbeugung -
Vorhofflimmern
Liegt ein völlig unregelmäßiger Herzschlag vor, sprechen wir von
einer absoluten Arrhythmie. Eine solche ist in der Regel nur durch
Untersuchung des EKG (= Herzstromkurve) zu beurteilen. Das
Vorhofflimmern ist bedingt durch eine völlig unregelmäßige Erregung
des linken Vorhofs. Entsprechend kommt es auch nur zu einer
unregelmäßigen Erregung der Herzkammern. Im Bereich des linken
Vorhofs kann es durch zum Teil verlangsamten Blutfluss zur Bildung
von Gerinnseln kommen. Diese können mit dem Blutfluss dann in das
Gehirn fortgetragen werden und dort eine Arterie verstopfen.
Dadurch kommt es zum Hirninfarkt.
Die Höhe des Risikos hängt davon ab, ob es sich um eine junge
Person ohne weitere Risikofaktoren oder eine ältere Person mit
anderen Risikofaktoren handelt. Liegen keine weiteren
Risikofaktoren vor, ist auch das Risiko durch das Vorhofflimmern
nur gering erhöht, liegen weitere Faktoren vor, ist es erheblich
erhöht.
Alle Studien belegen eine Minderung des Risikodurchschnitt um 70%
durch wirksame Medikamente, die die Gerinnung des Blutes hemmen. In
Deutschland ist der Einsatz von Phenprocoumon (z. B. Marcumar®,
Falithrom®) üblich. Abzuwägen ist das erhöhte Risiko von Blutungen.
Aus diesem Grunde sollen Personen mit einem bereits erhöhten
Blutdruckrisiko, beispielsweise Personen, die ein erhöhtes
Sturzrisiko aufweisen, einen medikamentös nicht einstellbaren
erhöhten Blutdruck aufweisen oder aber einen bösartigen Tumor
haben, in der Regel nicht mit diesen Medikamenten behandelt werden.
In diesen Fällen wird üblicherweise Acetylsalicylsäure (= ASS, z.B.
Aspirin®) in einer Dosis von 100 bis 300 mg gegeben.
Unter der Gabe von den gerinnungshemmenden Substanzen (Marcumar®,
Falithrom®) sind regelmäßige Kontrollen von Quick und INR
notwendig. Die Quick-Werte unterscheiden sich von Labor zu Labor,
die INR-Werte sind dagegen einheitlich, so dass sie beurteilt
werden sollten für die Therapieeinstellung.
Schlaganfall - Vorbeugung - nach abgelaufener
Durchblutungsstörung
Ist ein Hirninfarkt (Durchblutungsstörung mit bleibender
Funktionsstörung) oder eine TIA (transitorische ischämische
Attacke, Durchblutungsstörung des Gehirns mit nur vorübergehender
Funktionsstörung) aufgetreten, ist einer erneuten
Durchblutungsstörungen vorzubeugen. Hier sind zunächst die
obengenannten Risikofaktoren zu überprüfen und entsprechend
konsequent zu behandeln.
Weiter sind die hirnversorgenden Arterien mit Ultraschall
(Doppler-Sonographie, Duplex-Sonographie) zu untersuchen. Liegen
höhergradige Einengungen (über 70%) einer Arterie vor, die auch für
die Versorgung des durchblutungsgestörten Hirnbereichs zuständig
ist, ist in der Regel eine Operation notwendig. Eine operative
Behandlung asymptomatischer Stenosen der A. carotis interna, die
also nicht zu einer Durchblutungsstörung geführt haben, wird nicht
empfohlen, obwohl in besonderen Fällen eine Indikationsstellung
gegeben sein kann (rasch progrediente Stenosen, höchstgradige
Stenosen).
Hat es sich um eine sogenannte TIA oder einen Hirninfarkt gehandelt
und ist keine Hemmung der Blutgerinnung beispielsweise durch
Marcumar oder Falithrom notwendig, werden in der Regel
Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®), die Kombination von ASS
und Dipyridamol (Aggrenox®) oder Clopidogrel (z. B. Plavix®,
Iscover®) gegeben.
Schlaganfall - Vorbeugung - abschließende
Empfehlung
Grundsätzlich ist eine gesunde Lebensführung mit einer salzarmen
Ernährung mit hohem vegetarischen Anteil zu empfehlen. 1-2 Mal pro
Woche Fisch ist sinnvoll. Auf hohe Mengen Kaffee sollte verzichtet
werden. Der Nikotinkonsum sollte eingestellt werden. Es sollte das
Normalgewicht angestrebt werden. Normwerte sollten auch für
Blutzucker, Cholesterin und Blutdruckwerte erreicht werden. Zudem
sollte regelmäßig ein Ausdauersport, mindestens 2 x 30 Minuten pro
Woche durchgeführt werden.
Besteht erhöhter Blutdruck und ist eine medikamentöse Einstellung
notwendig, muss diese konsequent durchgeführt werden.
Abschließend gilt, dass jeder sein Risiko mitbestimmen kann.
Besprechen Sie Ihre Risikofaktoren und wie Sie damit umgehen können
mit Ihrem Hausarzt.
Fragen Sie aber nicht: Was macht mich krank? Fragen Sie: Was trägt
zu meiner Gesundheit bei. Ziel muss es sein, ein
verantwortungsvolles Verhalten gleichermaßen gesundheitsbewusst und
genussvoll zu leben.
Mit den besten Wünschen, insbesondere für Ihre
Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher
Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
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Aktualisiert am 12.03.2009