Die beste Wirbelsäulenbehandlung stellt die Vorsorge dar. Die Bandscheiben leben von der Bewegung und brauchen zur Ernährung und zum Aufrechterhalten des nötigen Pumpmechanismus im Zwischenwirbelabschnitt den Wechsel von Be- und ...
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Therapie des Bandscheibenvorfalles

Die beste Wirbelsäulenbehandlung stellt die Vorsorge dar. Die Bandscheiben leben von der Bewegung und brauchen zur Ernährung und zum Aufrechterhalten des nötigen Pumpmechanismus im Zwischenwirbelabschnitt den Wechsel von Be- und Entlastung. Haltungskonstanz über Stunden ist Gift für die Bandscheibe. Rückengerechtes Verhalten sollte beim Heben und Tragen von Lasten genauso wie beim Stehen, Sitzen und liegen, soweit als möglich, beachtet werden. Um diese Informationen vermittelt zu bekommen, bietet sich ein Rückenschulbesuch an.
Ein intaktes Rumpfmuskelkorsett mit guter Balance zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur ist notwendig, um die Wirbelsäule als Achsorgan von außen ausreichend zu unterstützen und aufzurichten.

Besteht eine akute Nervenwurzelkompression mit schmerzhafter "Ischialgie", steht primär die Schmerzbekämpfung im Vordergrund. Medikamente mit analgetischem (schmerzlinderndem) Effekt sowie mit abschwellender und muskelentspannender Wirkung finden Einsatz. Zu diesem Zweck nutzt man z. B. nichtsteroidale Antirheumatika oder Cox-2-Hemmer und Muskelrelaxantien. Bei einer akuten Ischialgie sind systemische oder lokale Cortisonbehandlungen geeignet, die Gewebsschwellung um die Nervenwurzel zu minimieren. So soll Reserveraum für die Nervenwurzel geschaffen und die Enge für die Nervenwurzel reduziert werden.

Im Akutfall dienen sakrale Umflutungen oder gezielte Injektionen an die betroffene Nervenwurzel mit cortisonhaltigen Präparaten dem gleichen (abschwellenden) Ziel.

Antidepressiva in niedriger Dosierung haben in der medizinischen Behandlung von chronischen Rückenschmerzen einen festen Stellenwert.

Der akute Schmerzpatient ist meist für örtliche Wärmebehandlung oder Stufenbettlagerung sehr dankbar.

Aus dem Bereich der Elektrotherapie finden elektrogalvanische Bäder (Stangerbäder) Einsatz und zeigen einen guten Effekt. Diadynamische Ströme führen zur Verminderung der Muskelspannung und Schmerzreduzierung.
Der Patient mit akutem Bandscheibenvorfall strebt an, jede unnötige Bewegung zu vermeiden.
Deshalb ist die Möglichkeit zur krankengymnastischen Therapie im akuten Anfangsstadium eingeschränkt.
Eher vorsichtig sollte im weiteren Verlauf der Krankengymnast versuchen, aus der Wirbelsäulenentlastungshaltung zu physiologischen Bewegungsmustern zu kommen.
Eine länger bestehende Fehlbeanspruchung der Wirbelsäule und der kleinen Wirbelgelenke auf dem Boden von muskulären Dysbalancen sollte beseitigt werden, ohne dabei eine Schmerzprovokation zu bewirken. Langfristig wird ein intaktes Rumpfmuskelkorsett angestrebt, so dass rückengerechte medizinische Trainingstherapie unumgänglich ist (nach der Akutphase).

Mikrochirurgische Operationen

Die Bandscheibenoperation ist notfallmäßig durchzuführen, wenn eine sogenannte "Caudasymptomatik" besteht, gekennzeichnet durch Blasen- und Mastdarmlähmung. Das Caudasyndrom ist durch einen großen, nach medial gerichteten Massenprolaps verursacht und erlaubt keinen Aufschub der Operation. Die Operation muss in den ersten 6 Stunden nach Auftreten dieser Symptomatik erfolgen, je eher desto besser.

Geht die Ischiassymptomatik mit Lähmungen einher, besteht eine relative Operationsindikation.
Bei Nervenwurzelkompressionen ohne Lähmungen sollte geduldig konservativ behandelt werden.

Das Für und Wider einer Bandscheibenoperation ist in jedem Falle individuell in enger Absprache mit dem Patienten zu erwägen und dabei auch zu bedenken, dass nicht jede Bandscheibenoperation den gewünschten Erfolg mit sich bringt.

Sollte die konservative Behandlung versagen und nicht zur Schmerzlinderung führen, ist die Indikation zur Operation erneut zu überprüfen, z. B. wenn keine Schmerz- und Funktionsverbesserung nach einer Behandlungszeit von 3-6 Monaten auftritt. Die Bandscheibenoperationen stellen heutzutage mikrochirurgische Operationen dar. Über einen kleinen Zugangsweg wird die gedrückte Nervenwurzel freigelegt und der darunter gelegene Bandscheibenvorfall entfernt. Die Nervenwurzel soll von jeglichem Druck befreit werden.

Zusätzliche Einengungen durch Knochen können ebenfalls beseitigt werden.
Um ein Nachrutschen weiteren Bandscheibengewebes zu verhindern, wird die gesamte gelockerte Bandscheibenmasse aus dem Bandscheibenraum ausgeräumt. Im allgemeinen ist der Ischiasschmerz sofort nach der Operation deutlich geringer oder sogar verschwunden.

War die Nervenwurzel lange oder stark eingeklemmt, hinken Sensibilitätsstörungen und Schmerzen im Einzelfall über Wochen und Monate hinterher.

Endoskopische Operation

Bei der endoskopischen Operation wird ein schmales Rohr an den Bandscheibenraum eingebracht und mittels feiner Instrumente unter Monitorkontrolle der Bandscheibenvorfall entfernt. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass durch die kleinen Schnitte kaum Narben entstehen.

Ein weiteres Verfahren besteht im seitwärtigen Zugang, wobei ein Endoskop über das Nervenaustrittsloch eingeführt und über diesen Zugang der Bandscheibenvorfall entfernt wird. Ca. 4 % der Bandscheibenkranken müssen später an gleicher Stelle noch einmal operiert werden, wenn restliches Bandscheibengewebe nachrutscht oder spätere Narbenbildung die Nervenwurzel erneut komprimiert.

Fragen?

Sollten Sie Fragen zum Thema Rückenschmerz oder Bandscheibenerkrankung haben, so rufen Sie doch einfach unter der Telefonnummer 05652 55-821 an oder besser, schicken Sie eine E-Mail an Orthopädie.

Sehr würden wir uns freuen, Sie in unserer Klinik als Patient/in begrüßen und mit all unseren therapeutischen Möglichkeiten zur Linderung Ihrer chronischen Rückenschmerzen bzw. Bandscheibenprobleme beitragen zu können.

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