
Über 120 Teilnehmer gründeten Schlaganfall-Selbsthilfegruppe für
den Kreis
(Werra-Rundschau, 2000)
Werra-Meissner. In der Klinik "Hoher Meißner" in Bad Sooden-Allendorf fand jetzt die Gründungsveranstaltung für eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe im Werra-Meißner-Kreis statt. Über 120 Personen, Betroffene und Angehörige, auch Ärzte, Therapeuten und Krankenkassenvertreter aus der Region waren der Einladung gefolgt. Der Informationsbedarf ist offenbar sehr groß.
Der Vortragssaal der Klinik "Hoher Meißner" war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Veranstaltung wurde von Chefarzt Dr. Schröter, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe, eröffnet. Der Schlaganfall sei, wie Dr. Schröter berichtete, die Erkrankung, die am häufigsten zu bleibenden alltagsrelevanten Behinderungen führe. Während in der Akutbehandlung und in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall in den letzten zehn Jahren wesentliche Fortschritte erzielt werden konnte, seien die Strukturen nach der Entlassung weiterhin verbesserungsbedürftig. Viele der Anwesenden machten in der Diskussion deutlich, dass sie sich nach der Entlassung aus dem stationären Rahmen allein gelassen fühlten, ihnen in der Situation viele Informationen fehlten. Entsprechend erhoffen sich die Teilnehmer der Veranstaltung von einer Selbsthilfegruppe, damit Versorgungslücken schließen und Erfahrungen austauschen zu können sowie Informationen beispielsweise zu Hilfsmitteln, zum Pflege- und Schwerbehindertenrecht und zu alternativmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten. "Nicht isolieren, sondern integrieren", so wurde der Wunsch einer Schlaganfallpatienten auf den Punkt gebracht. Auch wurde angeregt, durch eine solche Gruppe eine regionale Lobby und eine Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema Schlaganfall zu erreichen. Weiter wurde der Wunsch deutlich, spezielle Gruppen, zum Beispiel für Patienten mit Aphasie, einer Sprachstörung, einzurichten.
Erste Weichen für die neue Selbsthilfegruppe wurden gestellt. Krankenkassen hatten bereits im Vorfeld ihre Bereitschaft zur projektbezogenen finanziellen Unterstützung der Gruppe erklärt. Die Klinik "Hoher Meißner" wird die Räumlichkeiten für weitere Treffen zur Verfügung stellen und den Aufbau weiter begleiten. Voraussichtlich werden verschiedene Therapiegruppen eingerichtet. Zunächst wurden monatliche Treffen der Gesamtgruppe vereinbart. Die nächste Zusammenkunft wird bereits am 20. Juni, wiederum in der Klinik Hoher Meißner, stattfinden. Selbstverständlich ist dazu jeder Interessierte eingeladen.
Zuvor wird sich eine vorwiegend aus Patienten und Angehörigen bestehende Gruppe von 8 Personen zusammensetzen, die den weiteren Aufbau konkret planen will. Ein Arbeitspapier als Ergebnis des Gesprächs wird am 20. Juni vorgestellt und zur Abstimmung gebracht. Vordringlich sind Fragen zu Zeit und globaler Tagesordnung der Gruppentreffen, Organisationsform der Gruppe zu klären, aber auch nach Möglichkeit Fahrdienste zu organisieren. Die monatlichen Treffen werden aber schließlich nach den Wünschen und Vorstellungen der Gesamtgruppe mit Leben gefüllt.
Es folgte ein Vortrag von Dr. Schröter zum Thema "Schlaganfall - Ursachen und Vorbeugung". Während Alter, Geschlecht und genetische Faktoren Risikofaktoren darstellen, die nicht zu beeinflussen sind, wurden der erhöhte Blutdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen als typische zu behandelnde Risikofaktoren herausgestellt. Aber auch Bewegungsmangel, Übergewicht und hoher Alkoholkonsum seien als isolierte Risikofaktoren inzwischen eindeutig belegt. Liege -gerade auch bei jüngeren Personen- keine der häufigeren Risikofaktoren vor, müsse beispielsweise auch an einen erhöhten Homocysteinsäure-Spiegel gedacht werden. Dieser könne durch Gabe von Vitamin B12 und Folsäure gesenkt werden. Hinsichtlich Alkoholkonsum wurden Studien wiedergegeben, die bei geringen täglichen Mengen eine Minderung des Schlaganfallrisikos zeigten. Hier scheine vorwiegend Wein sich als günstig darzustellen, nach einer aktuellen dänischen Studie aber offenbar nicht Bier oder hochprozentiger Alkohol. Generell könne Alkohol wegen seiner Wirkung auf die Leber und wegen der Möglichkeit der Sucht nicht als Vorbeugung empfohlen werden. Demgegenüber ist bei der täglichen Aufnahme von 60 bis 80 g Alkohol beim Mann und 40 bis 60 g Alkohol bei der Frau bereits ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko belegt worden. 60 bis 80 g Alkohol werden beispielsweise durch Aufnahme von 1,0 bis 1,5 l Bier erreicht. Bei dem Blick auf das Risiko, so Dr. Schröter, sollte aber nicht nur geschaut werden, "Was macht mich krank?", sondern "Was trägt zu meiner Gesundheit bei?". Schließlich müsse es Ziel sein, nicht nur gesundheitsbewusst, sondern auch genussvoll zu leben. (WR)
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Aktualisiert am 24.02.2009