
Schlaganfall
(HNA, 22.09.2000)
von Thomas Kopietz Um das Thema Schlaganfall, die Erkennung, Behandlung und Nachsorge ging es in einer Ärztefortbildung in der Klinik Hoher Meißner.
Bad Sooden-Allendorf. Wie ein Blitz schlägt die Krankheit zu - der Schlaganfall kommt meist ohne Vorwarnung und mit gravierenden Folgen, die von der Lähmung bis zum Tod reichen. Getroffene fallen urplötzlich aus der Aktivität in die völlige Hilflosigkeit. Die Intensität der Krankheit hängt auch von der schnellen und korrekten Versorgung im Krankenhaus und der effizienten Rehabilitation und therapeutischen Nachsorge ab. Verschiedene medizinische Einrichtungen müssen folglich möglichst reibungslos zusammenarbeiten - vom Hausarzt über die Fachabteilung in Krankenhäusern bis zu Reha-Einrichtungen und Therapeuten. Vertreter aller trafen sich am Mittwoch zu einer Fortbildung mit Diskussion in der Klinik Hoher Meißner. In der Bad Sooden-Allendorf Klinik nimmt die Rehabilitation von Schlaganfallgeschädigten eine "wichtige Rolle" ein, wie Dr. Carsten Schröter sagt. Der Chefarzt der Neurologischen Abteilung initiierte denn auch die Veranstaltung mit dem Ziel, die Information über die Krankheit und deren Therapie zu verbessern.
Die Vortragsthemen orientierten sich am Verlauf eines
Schlaganfalls. Zunächst machte Prof. Andreas Ferbert deutlich, wie
wichtig das schnelle Einleiten Soforthilfe sei. "Die ersten drei
Stunden nach dem Schlaganfall sind die wichtigsten", erläuterte der
Direktor der Neurologie in den Städtischen Kliniken Kassel. Der
schnellen Diagnose käme daher eine enorme Bedeutung zu. Die
Betroffenen müssten deshalb die Symptome erkennen. Schwindel,
Sehstörungen und Lähmungen seien untrügliche Vorboten, die
unmittelbar den Notruf veranlassen sollten. Der Weg über den
Hausarzt könne zu lang sein, wichtige Zeit verloren gehen, sagte
Ferbert. Aber auch an die Kliniken stellte der Schlaganfall hohe
Anforderungen. Intern müsste von Einweisung bis Erstmaßnahme alles
so schnell wie möglich gehen - Arbeitsabläufe müssten deshalb
optimiert werden.
Verbesserte Perspektiven
In Kassel wurde eine
sogenannte "Stroke Unit" eingerichtet - eine Abteilung, die
speziell auf Schlaganfallpatienten vorbereitet ist. Dies Stroke
Units wurden in Skandinavien konstruiert und haben die Chancen von
Schlaganfallpatienten auf eine möglichst optimale Wiederherstellung
erwiesenermaßen erheblich verbessert.
Für die Hausärzte sprach Dr. Michael Meixner aus Witzenhausen.
Er verdeutlichte, dass nur ein schnelles Weiterleiten der
Patienten, wenn sie mit einer Schlaganfall-Symptomatik in die
Praxis kämen, die einzig sinnvolle Maßnahme sei. "Ich gebe solche
Fälle sofort weiter", sagte Meixner, der die vordringliche Aufgabe
des Hausarztes darin sieht, möglichen Schlaganfallgefährdeten die
optimale Prävention, also Vorbeugung, zu bieten. Außerdem müsse
später, nach Entlassung aus Akut- und Reha-Klinik eine ständige
Kontrolle beim Hausarzt stattfinden, der gleichzeitig als
Psychologe gefragt sei.
Zum Thema Rehabilitation schilderte Dr. Carsten Schröter die in den
vergangenen zehn Jahren deutlich verbesserten Möglichkeiten in
diesem Bereich. Selbst verloren gegangene Fähig- und Fertigkeiten
wie Sprechen oder Gehen könnten bedingt durch eine Reorganisation
der geschädigten Hirnrinde wieder erlernt werden. Die Neurologie
der Klinik Hoher Meißner beteiligt sich daher an einer hessenweiten
Studie, in der die Therapieverläufe von Schlaganfall-Patienten
anonym gesammelt und aufgearbeitet werden.
Einen Datenpool von Schlaganfallpatienten verwaltet und
durchforstet die Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen um Dr.
C. Kugler. 19000 Fälle haben Kugler und Mitarbeiter bereits
registriert. Die Bedeutung der Längsschnittuntersuchung liegt vor
allem darin, dass die Krankheitsverläufe auch bis in den Zeitraum
der Rehabilitation verfolgt werden: Sechs Monaten nach dem Anfall
werden die Patienten befragt. Die Ergebnisse sollen Aufschluss über
die Qualität der Behandlung von der Akutphase bis zur ambulanten
Therapie von Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden geben. Ferner
soll dadurch den Einrichtungen Marketinghilfen gegeben werden.
In der abschließenden Diskussionsrunde, bei der auch Dr. Michael Müller, Krankenhaus Witzenhausen und Dr. Torsten Eggeling, Kreiskrankenhaus Eschwege, dabei waren, ging es vor allem um die finanziellen Engpässe im Gesundheitswesen, die auch die Rehabilitation beeinträchtigen: Durch die Ärzte-Budgetierung würden auch die noch langfristig notwendigen und wichtigen Behandlungen wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie massiv eingeschränkt.
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Aktualisiert am 24.02.2009